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Serendipity
Fähigkeit, durch Zufall und Scharfsinnigkeit Entdeckungen und Beobachtungen zu machen, nach denen man nicht gesucht hat.
Unter "Serendipity" (eingedeutscht: "Serendipität") versteht man die Fähigkeit, durch Zufall und Scharfsinnigkeit Entdeckungen und Beobachtungen zu machen, nach denen man nicht gesucht hat. "Serendipity" bezeichnet die vorurteilsfreie Offenheit, die es ermöglicht, einen Zufall für eine überraschende Entdeckung, Erkenntnis oder Einsicht zu nutzen. Neben dieser Fähigkeit bezeichnet das Wort "Serendipity" auch die Erfahrung, dass man auf der Suche nach einer Information in einem Nachschlagewerk oder im World Wide Web zufällig auf eine interessante Entdeckung aufmerksam werden kann, nach der man gar nicht gesucht hatte. Man schweift vom ursprünglichen Ziel der Suche ab und bleibt bei einem zufälligen Fund hängen, der anregend und bereichernd sein kann. "Serendipity" bezeichnet also zugleich eine Geisteshaltung (Forschergeist) und deren Ergebnis (Entdeckerfreude); und zwar die innere Einstellung, die dem "browsing" (Dt. etwa: "umherstreifen, stöbern, schmökern, durchblättern, sich umschauen, den Blick schweifen lassen") zugrundeliegt. Das "World Wide Web" begünstigt und ermutigt durch seine dezentrale, weitgehend ungeregelte Hypertext-Verweisstruktur diese unsystematische, ergebnisoffene Weise der Informationsbeschaffung. Nicht von ungefähr wird das Programm zur Darstellung von Web-Seiten als "Browser" und die "Fortbewegung" durch das World Wide Web als "Surfen" (Dt. etwa: "gleiten, schliddern, wellenreiten") bezeichnet.
Der Begriff "Serendipity" leitet sich von "Serendip", dem (veralteten) Namen Sri Lankas ab, und wurde im Jahre 1754 von dem britischen Schriftsteller Horace Walpole (1717 - 1797) geprägt. Walpole bezieht sich dabei auf das persische Märchen "Die drei Prinzen von Serendip" von Amir Khusrau (1253 - 1325), das von drei Prinzen erzählt, die bei ihrem Streifzug durch die Welt immer wieder durch Zufall und Scharfsichtigkeit verblüffende Erkenntnisse gewinnen, weil sie bereit zu genauer Beobachtung und zu scharfsinnigen, geradezu detektivischen Schlussfolgerungen daraus sind. Ihr Vater, der König von Serendip, hatte seine drei Söhne ausgeschickt, um das Kostbarste, was es auf der Welt gibt, zu finden. Auf seinen Reisen geraten die drei Prinzen mehrfach durch Zufall in Situationen, die sie dazu veranlassen, ihre Meinung darüber zu ändern, was das Wertvollste sei.
Sowohl das Phänomen als auch der Begriff der "Serendipität" sind also viel älter als das World Wide Web; aber dieses Medium bietet - sicherlich mehr als andere elektronische Medien - dank seiner Größe und Struktur eine schier unerschöpfliche Fundgrube für Zufallsfunde und unerwartete Entdeckungen. Es ähnelt insoweit einer Enzyklopädie oder sogar einer ganzen Bibliothek.
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